Frauenquote und andere Wahrheiten…

Ein Gastbeitrag von  Susanne Richter-Hansen
… von mir zusammengetragene, gesammelte und zu einer Einheit verfasste Schriften, die meine Ansichten schon mal sehr gut darstellen.

Die EU droht damit, bis zum Sommer per Gesetz eine Frauenquote vorzuschreiben. Wenigstens ein Drittel der Führungspositionen müssten dann mit Frauen besetzt werden. Derzeit sind europaweit nur 13,7 Prozent der Aufsichtsrats- und Vorstandsmitglieder weiblich. Doch wollen Frauen überhaupt als Quotenfrau Karriere machen? Und wer sorgt dann dafür, dass Männer nicht diskriminiert werden?

Schon lange beobachtet die Wissenschaft eine einseitige Fokussierung auf weibliche Belange: Von der Brustkrebsvorsorge bis hin zum Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend – vergleichbares für Männer gibt es nicht.

Brauchen berufstätige Frauen tatsächlich eine gesetzlich vorgeschriebene Beteiligungsquote, um ganz nach oben zu kommen? Die Debatten legen das nahe. EU-Kommissarin Viviane Reding (Luxemburg) scheiterte zwar vorerst mit ihrer Frauenquote für Aufsichtsräte. Doch im Deutschen Bundestag erfreut sich der rot-grüne Quotengesetzentwurf einer Beliebtheit, auch in der CDU. Ist die Quote vernünftig? Meinen es die Quotenfreunde wirklich ernst?

Ich denke, dass die Frauenquote an sich eine gute Idee und ein Schritt in Richtung Chancengleichheit ist. Allerdings funktioniert sie meiner Meinung nach nicht, wenn zwanghaft Frauen für Führungspositionen gesucht werden, um der Quote gerecht zu werden – obwohl es dafür wesentlich qualifiziertere Männer gibt. Wichtig ist meiner Meinung nach der Schritt davor: der, der den Frauen gleiche Qualifikationen ermöglicht.

Quoten sind ein legitimes Mittel, um Benachteiligungen auszugleichen und langfristig einen Anreiz zu schaffen, strukturelle Diskriminierung zu minimieren. Eine Quote bringt nichts oder kann gar zur Ausrede verkommen, wenn nicht gleichzeitig auch eine Veränderung in den Köpfen stattfindet.

Vielleicht sollte man sich in der Politik eher auf die Förderung von Müttern und Familien konzentrieren. Wie steht es noch mal um flexible Arbeitszeiten, Kindergartenplätze, wie um den Vaterschaftsurlaub? Kinderlose Karrierefrauen werden diese Welt wohl nicht verbessern, sie sind zu sehr Mann. Mütter dagegen, die ganz oben mitspielen, weil sie auf ihrem Weg “nach oben” nicht aufgehalten worden sind durch ihren Kinderwunsch, können vielleicht verantwortungsbewusster und sozialer handeln.

Nur, warum wird eine Quote für Frauen gefordert, aber keine für Ausländer, alte und junge  Menschen, und so weiter?

Heutzutage sollte man sich doch auch die Frage stellen, ob die Gesellschaft dieser “Stützrad” einer Quote noch benötigt.

Denn…

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  • Der niedrige Frauenanteil in den Führungsetagen deutscher Unternehmen hat nach Einschätzung von Personalvermittlern vor allem einen Grund: Es mangelt an geeigneten Bewerberinnen. Das zumindest ist das Ergebnis einer Umfrage unter 530 Personalberatern, die der Branchenverband BDU (Bundesverband Deutscher Unternehmensberater) im Sommer dieses Jahres durchgeführt und jetzt veröffentlicht hat.
  • „Für Vorstands- und Aufsichtsratsposten werden berufs- und führungserfahrene Kandidaten 45 plus gesucht“, sagt Michael Heidelberger, Vorsitzender des BDU-Fachverbandes Personalberatung und im Hauptberuf selbst Personalberater. „Genau diese Gruppe ist bei den besonders qualifizierten Frauen zur Zeit noch schmal.“
  • Bis Einsteiger ins Management aufsteigen, dauert es nach Erfahrung der Personalvermittler in der Regel zwischen acht und zehn Jahren. Der notwendige Unterbau für einen höheren Frauenanteil in Führungspositionen müsse daher erst nach und nach geschaffen werden, sagt Verbandschef Heidelberger. (Norwegen hat in 2003 entschieden, dass in allen Verwaltungsräten ein Mindestanteil von 40% weiblich sein muss. Statistiken haben gezeigt, dass das Qualifikationsniveau darunter nicht gelitten hat. Heute hat Norwegen einen Frauenanteil von ca. 39%!!!)
  • Als zweithäufigsten Grund für den geringen Frauenanteil nannten die Personalberater nach dem Mangel an geeigneten Bewerberinnen, dass qualifizierte Frauen noch zu oft durch männlich geprägte Hierarchien und Karriere-Spielregeln ausgebremst würden. Ihnen fehlten die nötigen Netzwerke, nach innen wie nach außen.

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Auf dem Arbeitsmarkt baut sich der Druck hoch qualifizierter Frauen auf. Denn Abiturientinnen übertreffen seit etwa 2000 mit mehr als 55 Prozent die Anzahl der Abiturienten. Auch Studentinnen liegen bereits seit 1994 mit mehr als 52 Prozent vor den Studenten – in beiden Fällen: weiterhin steigende Tendenz.

Nach dem Eindruck zahlreicher Hochschullehrer schaffen die Studentinnen auch die besseren Examensnoten. Und diesen hoch qualifizierten Frauen, die zurzeit Doktortitel, Praktika und Erfahrungen sammeln, sollen weiterhin obere Positionen in der Unternehmenshierarchie so konsequent wie bisher verweigert werden???

Überdies betonen die Kritiker der Frauenquote, dass in der sozialstaatlichen Demokratie das Gerechtigkeitsargument auf lange Sicht für die weibliche Hälfte der Menschheit arbeitet. Selbst eine bescheidene Quote von 30 Prozent erreicht aber derzeit bei Weitem noch nicht die Hälfte der Stellen mit Entscheidungskompetenz.

Eine Quote ist immer eine Zwangsmaßnahme. Frauen sind heute in der Überzahl bei den Abiturienten, bei den Uniabsolventen, sie machen die besseren Abschlüsse. Kaum eine Frau verlässt sich heute darauf, dass es irgendwann einen Ehemann geben wird, der sie versorgt. Keine Frau steht mehr unter dem gesellschaftlichen Druck zu heiraten, Kinder zu bekommen, sie zu Hause zu erziehen und dafür den Beruf aufzugeben. Diejenigen, die das tun, haben sich für dieses Leben entschieden. Die anderen sind auf dem Weg durch die unteren und mittleren Etagen des Berufslebens. Irgendwann werden sie oben ankommen. Wenn sie dann die Ellenbogen ausfahren und ihren Platz beanspruchen, werden sie ihn vermutlich mit derselben Wahrscheinlichkeit ergattern wie ihre männlichen Kollegen.

Komplizierter ist die Antwort auf die Frage nach der Ernsthaftigkeit der Quotenkämpfer. Die Befürworter argumentieren, dass Frauen ohne die Quote noch jahrzehntelang an die gläserne Decke knallen werden. Das mag stimmen, soweit es sie selbst betrifft. Die heute 45- bis 55-jährigen Akademikerinnen haben vielleicht tatsächlich nur noch diese Chance, sich Spitzenposten zu sichern. Aber die anderen? Wer sie fördern und ihnen gleichzeitig die Energie für den Weg an die Spitze zuführen will, müsste nur das Ehegattensplitting, die Familienmitversicherung in der Krankenkasse und die Minijobs abschaffen. Dann würde der materielle Anreiz wegfallen, einen Ehepartner möglichst wenig verdienen zu lassen.

Die Debatte ist eine Symboldebatte. wohingegen z.B. Splitting und Mitversicherung echte Politik ist, die einer Änderung bedarf. Auch ohne Quote kann mit anderen geeigneteren Maßnahmen in der Politik die kritische Masse für einen Frauensturm auf die Chefetagen entstehen. Nur: Das trauen sich nicht einmal die wildesten Quotenbefürworter. Deshalb ist die Frage nach der Ernsthaftigkeit des Frauenquotenprojekts nicht nur berechtigt. Sie ist entscheidend.

Die Frauenquote lenkt davon ab, das Wirtschaftssystem von Grund auf neu zu denken. Es müssen Strukturen geschaffen werden, die Beruf und Familie für Frauen und Männer besser in Einklang bringen würden. Eine Quote löst dagegen aber nicht das Problem.